Unstillbarer Hunger oder warum das Gehirn dich zum Essen verführt

blockierte Rezeptoren im GehirnWahrscheinlich kennst du selbst solche Situationen: Ohne hungrig zu sein, fühlst du dich zum Essen verführt und kannst einfach nicht aufhören, bevor die Chips-Tüte oder die Tafel Schokolade alle ist. Entgegen besserem Wissen und trotz aller guten Vorsätze bleibt es wieder einmal nicht bei einer Handvoll oder ein, zwei Stückchen. Was bleibt am Ende? Hüftgold und ein schlechtes Gewissen, oft sogar Verzweiflung darüber, dass du dich nicht beherrschen konntest – wieder einmal. Damit bist du nicht allein. Und es gibt eine Lösung!

Umgeben von einem Überangebot von Nahrungsmitteln erleben wir in der Regel keinen natürlichen Hunger. Die meisten von uns essen, weil es Essenszeit ist, und nicht, weil sie Hunger haben. Übergewicht bzw. Probleme das Gewicht zu halten ist inzwischen ein weltweites Problem. Soweit so gut (bzw. schlecht). Doch warum verspüren viele von uns ein unstillbares Bedürfnis, auch zwischen den Mahlzeiten zu essen oder abends beim Fernsehen oder im Kino?

Wir sind heute mit einer neuen Art Hunger konfrontiert, mit unstillbarem Hunger.

Warum ist das so? Um das zu klären, wollen wir einen Blick in die Regulationssysteme des Körpers werfen.

Schuld sind Hormone

Erst in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben Wissenschaftler das Hormon entdeckt, dass dem Gehirn signalisiert: „Genug gegessen – wir sind satt. Lass uns aktiv werden. Jetzt ist ACTION angesagt.“ Dieses Hormon heißt Leptin und wird von den Fettzellen gebildet. Ja, du hast richtig gelesen: Je mehr Fettzellen im Körper, desto mehr Leptin, das immer verzweifelter ans Gehirn funkt: „Aufhören!!! Genug gegessen! Raus aus dem Sessel und beweg dich!“. Doch das Gehirn hört die Botschaft nicht.

Durch Versuche hat man schließlich herausgefunden, dass die Leptin-Rezeptoren im Gehirn blockiert sind, eine so genannte Leptin-Resistenz hat sich herausgebildet. Dadurch wird dem Stammhirn, dem ältesten Teil unseres Gehirn, das für unsere Überlebensfunktionen zuständig ist, vorgegaukelt, dass eine Hungersnot vorliegt. Dein Gehirn erkennt also die Signale des Leptins nicht, sondern glaubt, dass du am Verhungern bist. Folgerichtig tut es alles, um dich zum Essen zu animieren und bloß nicht aufzuhören zu essen.

Was blockiert die Leptin-Rezeptoren, so dass ihre Botschaft nicht empfangen werden kann? Insulin. Die Lösung muss also heißen, das Basal-Insulin, das Niveau des normalen Insulin-Pegels muss dramatisch gesenkt werden. Um zu wissen, wie du das erreichen kannst, ist es nötig, sich darüber klar zu werden, wodurch dein Basal-Insulin so weit angestiegen ist, dass es das Leptin blockiert.

Durch weitere Studien fand man heraus, dass dies durch die Reizüberflutung des Gehirns mit Dopamin verursacht wird. Das ist ein weiteres Hormon, zuständig für Wohlgefühl im Belohnungszentrum des Gehirns. Allzu viel Dopamin kann das Gehirn allerdings auf Dauer nicht verarbeiten. Kommt also stetig mehr Dopamin an als das Gehirn vertragen kann, regelt es seine Empfindlichkeit herunter. Platt gesagt: Es stumpft ab.

Wodurch stumpft das Belohnungszentrum ab?

Wohlgefühl wird im Körper vor allem durch zwei (über-)lebenswichtige Tätigkeiten hervorgerufen: Futtern und Sex. Essen ist für den Einzelnen überlebenswichtig und Sex für die Arterhaltung, damit wir nicht aussterben. Heute ist beides im Alltag übermäßig präsent. Essen an jeder Straßenecke und Sex-Signale überall – in der Werbung, in der Mode, von den frei verfügbaren Produkten der Sex-Industrie und Pornos ganz zu schweigen. Was unsere Vorväter die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, nehmen wir meist gar nicht mehr bewusst wahr: Unsere Gehirne sind abgestumpft.

Gibt es eine Lösung, so dass wir nicht mehr zum Essen verführt werden?

Nun werden wir die Geschichte nicht zurückdrehen. Doch wir können erreichen, dass unser Gehirn wieder empfänglich wird für das Hormon, das uns signalisiert, dass wir satt sind. Ja, unser Gehirn kann heilen, wenn wir seine Überflutung mit Dopamin stoppen. Dazu ist eine Umstellung der Ernährung nötig. (Wie in meinem vorherigen Beitrag beschrieben, sind laut wissenschaftlichen Studien ca. zwei Drittel aller Menschen betroffen.) Weniger Dopamin kommt ins Gehirn und der Pegel des Basal-Insulin sinkt. Das Gehirn entgiftet gewissermaßen. Die Rezeptoren werden wieder frei und können wieder das Leptin funken hören: „Wir sind satt – runter von der Couch!“ Dann ist auch Abnehmen ohne Jo-Jo möglich und wir werden nicht mehr zum Essen verführt.

In der nächsten Woche erfährst du, wie die Ernährung aussehen muss, um zu erreichen, dass dein Gehirn heilt und sich neu „verdrahtet“.

Über den Author

Wiltraud Kleinert Wiltraud Kleinert, Innerwise Coach, TCM-Therapeutin und Qi-Gong-Lehrerin im Ruhestand mit langjähriger Erfahrung mit verschiedenen Methoden aus der Informations- und Regulationsmedizin, unterstützt Hilfesuchende auf Spendenbasis, damit Leben leichter wird.

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